Luc, du bist seit vielen Jahren als selbstständiger Coach und Outplacementberater tätig. Was hat dich motiviert, diese Erfahrung nun bei FAU einzubringen?
Das hat verschiedene Gründe: Einerseits bin ich vom FAU-Programm total begeistert. Ich bin überzeugt, dass diese Kombination aus Coaching, Weiterbildungsangeboten und Vernetzung genau das ist, was hochqualifizierte Stellensuchende in diesem anspruchsvollen Prozess benötigen. Andererseits möchte ich meinen Erfahrungsschatz gerne an andere weitergeben, die (so hoffe ich) davon profitieren können. Ein weiterer wichtiger Punkt für mich ist, dass ich gerne regelmässig im Austausch mit Arbeitskollegen/innen stehen und Teil eines tollen Teams sein möchte – als selbstständiger Coach und Berater ist das ja eher eine «One-Man-Show».
Du arbeitest viel mit Fach- und Führungskräften zusammen und dozierst an der ZHAW. Was ist dir wichtig, sowohl als Dozent als auch als Coach, an andere weiterzugeben?
Ich halte mich da an den Leitsatz von Hartmut von Hertig: «Den Menschen stärken, die Sache klären». Dieses Motto gilt sowohl für meine Coachingarbeit wie auch für meine Lehrtätigkeit. Im Coaching ist mir wichtig, dass ich Menschen in Übergangssituationen begleiten und ermutigen kann. Ich hatte noch selten eine Person am Tisch, deren Chancen tatsächlich aussichtslos waren. Letztlich geht es um die Zuversicht, dass sich da draussen wieder eine gute Anschlusslösung finden lässt. Ausserdem ist es mir wichtig, dass sich Coach und Coachee auf Augenhöhe begegnen. Beide haben einen prall gefüllten Rucksack an Know-how und Erfahrungen. Im Idealfall kann man sich diese gegenseitig zugänglich machen, voneinander lernen… und dabei auch mal schmunzeln oder herzhaft lachen.
Du hast mehr als 20 Jahre Erfahrung als Laufbahnberater. Wie hat sich deine Sicht auf Arbeit und Coaching über die Jahre verändert?
In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich tatsächlich einiges getan: Ich denke dabei beispielsweise an die fortschreitende Digitalisierung und Globalisierung, aber auch an New Work sowie die zunehmende Komplexität und Verdichtung von Arbeit. Letzteres hat auch dazu geführt, dass mehr Menschen an ihre Belastungsgrenzen stossen (Stichwort: mentale Gesundheit). Karrierepfade werden vielfältiger, flexibler und bunter, aber auch brüchiger. Mein Großvater hatte seine Ausbildung damals bei der Kantonalbank begonnen und wurde Jahrzehnte später im gleichen Betrieb pensioniert. Das ist aus heutiger Sicht kaum mehr vorstellbar. Mittlerweile spielen deutlich mehr Menschen in der zweiten Lebenshälfte mit dem Gedanken, sich beruflich neu zu erfinden. Das kann eine Zusatzqualifikation, eine Weiterentwicklung in Richtung Portfolio-Work oder ein kompletter Karrierewechsel sein. Eine weitere Veränderung sehe ich bei der nachrückenden Generation. Der Wunsch, um jeden Preis Karriere zu machen, wird von vielen jungen Menschen wesentlich skeptischer gesehen. Die viel zitierte Work-Life-Balance rückt immer mehr in den Vordergrund. Auch im Bildungsbereich hat sich einiges getan: Gewisse Berufsbilder verschwinden, neue entstehen und immer mehr Menschen haben einen Tertiärabschluss.
Meine grundsätzliche Sicht auf Arbeit und Coaching hat sich jedoch kaum verändert: Wir alle stehen im Spannungsfeld zwischen Wollen, Können, Dürfen und Müssen. Hier gilt es, eine gute Balance zu finden. Gestern, genauso wie heute.
Wie sorgst du in deinem Alltag für Ausgleich und Energie bei dir?
Aus meiner Sicht verschafft ein Kontrastprogramm zum Berufsalltag den besten Ausgleich: Ich sitze im Job viel, daher bewege ich mich gerne draussen in der Natur. Als Coach arbeite ich vorwiegend mit dem Kopf, in der Freizeit benutze ich dagegen eher meine Hände. Modellbau ist eine Leidenschaft, die mich seit Jahrzehnten begleitet. Seit ein paar Jahren schraube ich an einem alten Land Rover herum. Und dann ist da noch die Musik: Ich spiele regelmässig auf meinen Synthesizern und Keyboards und tauche in Klangwelten ein … Auch das geht nicht ohne Hände. Zudem spielen meine beiden Kinder und meine Partnerin eine wichtige Rolle in meinem Leben. Auch sie geben mir viel Freude und Energie.