Ingrid Salamon

Coach FAU ALV, Standort Luzern

Seit 2025 verstärkt Ingrid Salamon das FAU-Team. Sie bringt langjährige internationale Erfahrung im Executive & Leadership Coaching sowie in der Personal- und Organisationsentwicklung mit, unter anderem als Führungskraft in internationalen Grosskonzernen und als Unternehmerin mehrerer Firmen. Mit einem Executive MBA, breiter Coaching-Expertise und ihrer Mehrsprachigkeit verbindet sie fundiertes Fachwissen mit einem feinen Gespür für Leadership, Kulturentwicklung und Veränderungsprozesse.

Text: FAU Studio

Ingrid, starten wir mit ein paar kurzen Einstiegsfragen «Entweder – oder» um dich etwas besser kennenzulernen:

Bergabenteuer oder Städtetrip?

Städtetrip.

Sicherheit oder Wachstum?

Wachstum.

Stille oder Applaus?

Stille.

Loslassen oder Durchhalten?

Loslassen.

Bist du eher Frühausteherin oder Nacheule?

Frühaufsteherin.

Vielen Dank! Dein beruflicher Weg und deine fundierten Ausbildungen verbinden auf beeindruckende Weise Unternehmertum, Leadership und Coaching. Was hat dich motiviert, deine Erfahrungen beim FAU einzubringen?

«Mit Menschen, am Menschen, für Menschen» – diesen Satz habe ich vor Kurzem einem Teilnehmer mitgegeben. Das beschreibt auch meinen eigenen Weg sehr gut. In all meinen beruflichen Stationen waren Motivation, Menschenführung und die Weiterentwicklung von Mitarbeitenden die entscheidenden Erfolgsfaktoren. Zahlen und Strategien sind wichtig – aber am Ende sind es immer Menschen, die den Unterschied machen.

Mein eigener Weg war dabei nie nur geradlinig. Es gab Höhen und Tiefen. Phasen der Klarheit und Phasen des Zweifelns. Gerade die Tiefpunkte waren selten angenehm, aber im Rückblick oft notwendig. Manchmal braucht es diesen «Kick», um wirklich etwas zu verändern. Erst später erkennt man, dass genau darin die Chance lag. Heute arbeite ich mit Menschen in ganz unterschiedlichen Kontexten, mit internationalen Teams in Krisengebieten, mit EMBA-Studierenden, mit Führungskräften auf C-Level. Die Arbeit bei FAU reizt mich besonders, weil hier Entwicklung sichtbar wird: Wenn Menschen an einem Wendepunkt stehen und bereit sind, neue Perspektiven einzunehmen. Ich bin sehr dankbar, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde, Menschen bei FAU ein Stück ihres Weges begleiten zu dürfen. Es sind sehr unterschiedliche, spannende und beeindruckende Lebenswege, und es ist ein Privileg, für einen Abschnitt Teil davon sein zu dürfen.

Welchen Rat gibst du öfter, als dir lieb ist?

«Warte nicht darauf, dass sich die Umstände ändern.» Wir unterschätzen oft unseren eigenen Gestaltungsspielraum. Viele Menschen haben Hemmungen, einfach mal zum Hörer zu greifen und jemanden anzusprechen. Auf Augenhöhe, nicht als Bittsteller, sondern im Bewusstsein des eigenen Wertes. Nicht jedes Gespräch führt zum Ziel. Aber manchmal reicht eines von vielen, um den nächsten Schritt zu ermöglichen.

Roger Federer sagte einmal in einer Rede vor Absolventen einer Uni in den USA: «Effortless is a myth.» Spitzenleistung wirkt of mühelos, ist es aber nicht. Selbst er hat fast jeden zweiten Punkt verloren. Entscheidend war, dass er den nächsten wieder gespielt hat. Genauso sehe ich Entwicklung: Nicht jede Initiative öffnet eine Tür. Aber wenn ich mir meines Wertes bewusst bin und bereit bin, es erneut zu versuchen, entsteht Bewegung. Veränderung braucht nicht nur Mut, sondern auch die Fähigkeit, sich selbst nicht zu schwer zu nehmen. Eine gewisse Leichtigkeit hilft, Dinge auszuprobieren und dranzubleiben.

Welche Eigenschaft unterschätzen Menschen bei sich am meisten?

Ihre eigne Resilienz. Viele erkennen erst im Rückblick, was sie bereits gemeistert haben. Höhen zeigen uns, was möglich ist. Tiefen zeigen uns, wer wir sind. Gerade in schwierigen Phasen entstehen of neue Kompetenzen: Klarheit, Mut, Selbstvertrauen.

Welche Botschaft würdest du Menschen mitgeben, die das Gefühl haben, „zu spät dran“ zu sein – beruflich oder im Leben?

Es ist nie zu spät. So lange wir neugierig bleiben und bereit sind zu lernen, ist Entwicklung möglich. «Life Long Learning» ist für mich keine Floskel, sondern eine Haltung. Manchmal braucht es einen Umbruch. Manchmal einen inneren Impuls. Und manchmal erkennt man erst im Rückblick, dass ein vermeintlicher Rückschritt der Beginn von etwa Neuem war.

Welches kleine Ritual hilft dir, nach einem intensiven Tag wirklich herunterzufahren?

Meine Spaziergänge mit meiner Parson-Jack-Russell-Hündin Aneko. Seit zwölf Jahren begleitet sie mich durch Höhen und Tiefen, durch Veränderungen und Neubeginne. Diese Spaziergänge erden mich. Bewegung hilft mir, Gedanken zu sortieren.

Was ich besonders an ihr liebe: Trotz ihres Alters hat sie sich ihre verspielte Leichtigkeit bewahrt. Und genau diese Leichtigkeit ist für mich mehr als eine Eigenschaft, sie ist eine Haltung. Ich bringe diese Haltung auch in meine Coachings ein. Nicht im Sinne von «alles ist leicht», sondern im Sinne von: Wir dürfen auch in herausfordernden Themen beweglich bleiben und Leichtigkeit hilft.

Ich habe deshalb einmal ein Seminar mit dem Titel «Clowning – Mut zum Sein» besucht. Für mich wurde daraus «Leichtigkeit zum Sein». Es geht darum, sich selbst nicht permanent zu bewerten, präsent zu sein und Raum zu schaffen für Neues, das ist es eigentlich, worauf es ankommt.

Manchmal gehe ich mit meinen Coachees spazieren. Raus aus dem Setting, rein in die Bewegung. Das System beruhigt sich und aus dieser Ruhe entsteht of wieder Klarheit.

Wenn du eine Stadt wärest: Welche wäre das und warum?

Ich war lange überzeugt, dass ich eine Metropole bin. Neugier hat mich immer angetrieben. Ich wollte die Welt entdecken, Kulturen verstehen, unterschiedliche Lebensweisen leben. Mein Weg führte mich von Hamburg nach London, nach Kiew, Moskau und Peking – immer mitten ins Geschehen. Vielfalt und Internationalität haben mich geprägt.

Während eines Sabbaticals habe ich zusätzlich einen «Master of Science in Wine Management» gemacht – aus Leidenschaft. Wein als Kulturgut fasziniert mich, weil er Menschen verbindet und Geschichten erzählt. Auch das war Ausdruck meiner Neugier.

Heute lebe ich in Luzern, nicht gerade eine Metropole. Doch Mark Twain schrieb über Luzern: «Lucerne is the prettiest town I have ever seen». Ob es die schönste Stadt der Welt ist, mag jeder für sich entscheiden. Für mich vereint sie in dieser Lebensphase alles, was mir wichtig ist: Wasser und Berge, Kultur und Offenheit, Ruhe und gleichzeitig Verbindung zur Welt. Vielleicht bin ich heute keine reine Metropole mehr. Vielleicht bin ich eine Stadt wie Luzern: weltoffen und zugleich verwurzelt. Lebendig und mit Raum für Stille.

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