Zwischen News-Fatigue und KI
So informiert sich die Schweiz
Das Interesse an Nachrichten sinkt, immer mehr Menschen vermeiden bewusst News – und gleichzeitig gewinnen KI-Chatbots als Informationsquelle an Bedeutung. Der Reuters Institute Digital News Report 2026 zeichnet ein differenziertes Bild der Schweizer Medienlandschaft.

Das Interesse an Nachrichten sinkt im Vergleich zum Vorjahr. (Symbolbild) / Unsplash / Robin Worrall
Text FAU Studio
Der Reuters Institute Digital News Report einmal jährlich die Mediennutzung in 48 Ländern, darunter auch der Schweiz. Dies sind die wichtigsten Erkenntnisse für das Jahr 2026:
Das Interesse an Nachrichten sinkt weiter
Weniger als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung (49 Prozent) gibt an, sehr oder äusserst an Nachrichten interessiert zu sein. 2016 waren es noch 59 Prozent. Besonders stark ist der Rückgang bei den 18- bis 24-Jährigen. Nachrichteninteresse ist zudem eng mit politischem Interesse, Bildungsgrad und der Bereitschaft verbunden, für Journalismus zu bezahlen.
Immer mehr Menschen vermeiden Nachrichten
39 Prozent der Befragten geben an, Nachrichten bewusst manchmal oder häufig zu meiden – 13 Prozentpunkte mehr als 2019. Dabei geht es nicht unbedingt um eine Abkehr vom Journalismus. Viele Menschen wollen sich schlicht vor einer Informationsflut schützen. Selbst Personen mit hohem politischem Interesse oder hohem Medienvertrauen vermeiden Nachrichten regelmässig.
Alle Nachrichtenkanäle verlieren Nutzer
Nicht nur Print, Radio und Fernsehen verlieren Reichweite, sondern auch digitale Kanäle. Zwar halten sich Newssites und soziale Medien besser als klassische Medien, insgesamt nimmt die Nachrichtennutzung aber über alle Kanäle hinweg ab. Das widerlegt die Annahme, dass die Digitalisierung den Rückgang einfach kompensiert.
KI spielt eine grössere Rolle – ersetzt Medien aber noch nicht
10 Prozent der befragten Personen in der Schweiz nutzen bereits KI-Chatbots wie ChatGPT oder Perplexity für Nachrichten, bei den 18- bis 24-Jährigen sind es 20 Prozent. Allerdings dienen diese Angebote bisher vor allem als Ergänzung. Nur 2 Prozent nennen KI als wichtigste Nachrichtenquelle. Gleichzeitig klicken viele Nutzerinnen und Nutzer bei Antworten von KI oder in sozialen Medien nicht mehr auf die Originalquellen – ein Hinweis auf das sogenannte «Zero-Click-Internet».

Die sozialen Medien bleiben ein wichtiger Kanal, um Nachrichten zu konsumieren. (Symbolbild) / Unsplash / Camilo Jimenez
Soziale Medien bleiben wichtig – WhatsApp überrascht
Für Nachrichten werden am häufigsten WhatsApp (42 Prozent), YouTube (30 Prozent), Facebook (29 Prozent) und Instagram (29 Prozent) genutzt. Besonders stark gewachsen ist WhatsApp als Nachrichtenkanal. Bei den jüngsten Nutzerinnen und Nutzern spielen Instagram und TikTok eine deutlich grössere Rolle als bei älteren Generationen.
Medienvertrauen bleibt vergleichsweise hoch
42 Prozent der Befragten vertrauen den meisten Medien. Das ist deutlich mehr als das Vertrauen in Suchmaschinen (26 Prozent), soziale Medien (17 Prozent) oder KI-Chatbots (16 Prozent). Besonders glaubwürdig werden Abonnementszeitungen und die SRG SSR wahrgenommen.
Die SRG wird überwiegend positiv beurteilt
Rund 40 Prozent sehen öffentliche Medien als gesellschaftlichen Gewinn, nur etwa 15 Prozent bewerten ihren Einfluss negativ. Positive Einschätzungen gehen häufig mit höherem Medienvertrauen und einer grösseren Bereitschaft einher, für Journalismus zu bezahlen.
News-Influencer sind in der Schweiz noch kein Massenphänomen
Nur 19 Prozent nutzen News-Influencer regelmässig – deutlich weniger als im internationalen Durchschnitt (27 Prozent). Die Studie kommt zum Schluss, dass Influencer journalistische Angebote derzeit eher ergänzen als verdrängen.
Für Online-News zahlen weiterhin wenige
Nur 19 Prozent der Befragten haben im vergangenen Jahr für Online-Nachrichten bezahlt – etwas weniger als 2025. Wer bezahlt, tut dies vor allem aus persönlichem Nutzen (z. B. nützliche Inhalte oder werbefreie Angebote). Gesellschaftliche Motive wie die Unterstützung des Journalismus spielen zwar ebenfalls eine Rolle, sind aber seltener ausschlaggebend.
20 Minuten bleibt führend im digitalen Bereich
Bei den klassischen Medien bleiben SRF und RTS die wichtigsten Nachrichtenanbieter in ihren Sprachregionen: In der Deutschschweiz nutzen 57 Prozent die Angebote von SRF, in der Romandie greifen 63 Prozent auf RTS zurück. Online führt weiterhin 20 Minuten. Das Angebot wird in der Deutschschweiz von 46 Prozent und in der Romandie von 51 Prozent genutzt. Dahinter folgen die Online-Angebote von SRF mit 32 Prozent und RTS mit 35 Prozent.
Über den Digital News Report
Der Reuters Institute Digital News Report zählt zu den weltweit wichtigsten Studien zur Mediennutzung. Für die Ausgabe 2026 wurden Menschen in 48 Ländern zu ihrem Informationsverhalten befragt. Der Schweizer Länderbericht zeigt, wie die Bevölkerung Nachrichten konsumiert, welchen Medien sie vertraut und welche Rolle soziale Medien, KI-Chatbots und digitale Bezahlangebote spielen. Die Daten stammen aus einer repräsentativen Befragung, die im Januar und Februar 2026 durchgeführt wurde.





