Hochqualifizierte Fachkräfte verfügen über Expertise und jahrelange Erfahrung – doch in der Jobsuche reicht das heute nicht mehr aus. Wer keine klare Online-Positionierung zeigt, bleibt unsichtbar. Selfbranding ist deshalb zu einem strategischen Faktor in der beruflichen Neuorientierung geworden und bei uns in den Coachings ein Dauerthema. Der folgende Artikel zeigt einen praxisnahen Weg, wie du mit KI-Unterstützung deine persönliche Marke systematisch aufbaust. Entstanden ist die Anleitung im Rahmen eines Medienprojektes im FAU Studio und «FAU Forum – von Teilnehmenden für Teilnehmende».

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Text: ALINA LUKESEVIC

Persönliche Marke und künstliche Intelligenz

Eine starke persönliche Marke ist heute keine Option mehr, sondern Notwendigkeit. Sie ist dein bewusst gesteuerter Ruf – das, was andere über dich und deine Expertise denken, bevor ihr euch persönlich begegnet. Eine klare Positionierung öffnet Türen: zu neuen Karrierechancen, beruflichen Netzwerken und potenziellen Kunden. Sie schafft Vertrauen und hebt dich von der Konkurrenz ab. Die Zeit der klassischen Visitenkarten ist vorbei. Erfolgreiche Positionierung bedeutet heute digitale Sichtbarkeit – und genau hier setzen KI-Tools wie ChatGPT, Gemini, Claude, o.ä. an: Sie helfen dir, Inhalte effizienter zu planen, zu erstellen und dein Publikum gezielt anzusprechen.

Schritt 1: Deine Marke entdecken – Was macht dich einzigartig?

Bevor du sichtbar wirst, musst du wissen, was du zeigen willst. Deine persönliche Marke basiert auf drei Säulen: deinen Stärken, deinen Werten und dem, was dich von anderen unterscheidet. Viele Menschen tun sich schwer damit, diese Dinge klar zu benennen. Genau hier hilft dir die KI als neutraler Sparringspartner.

Wer bin ich? Worauf bin ich spezialisiert? Welches Wissen und welche meiner Erfahrungen sind wertvoll für andere? Weshalb sollten potenzielle Kunden oder Arbeitgeber sich gerade an mich wenden? Was sind meine Werte und wie lebe ich sie?

So gehst du vor:
Öffne das KI-Tool deiner Wahl und führe ein strukturiertes Gespräch mit der KI. Beantworte dabei Fragen zu deinen Erfahrungen, Erfolgen und Vorlieben. Die KI spiegelt dir wider, welche Muster erkennbar sind.

Musterprompt 1:
Stärkenanalyse

Ich möchte meine persönliche Marke entwickeln. Stell mir 10 Fragen zu meinen beruflichen Erfahrungen, Erfolgen und Fähigkeiten. Stelle die Fragen nacheinander und warte jeweils auf meine Antwort, bevor du die nächste stellst.

Musterprompt 2:
Alleinstellungsmerkmale identifizieren

Basierend auf unserer bisherigen Unterhaltung: Was unterscheidet mich von anderen in meinem Berufsfeld? Fasse meine wichtigsten Alleinstellungsmerkmale in 3-5 Punkten zusammen.

Musterprompt 3:
Werte klären

Welche beruflichen Werte sind mir wichtig? Analysiere meine Antworten und schlage mir 5 Kernwerte vor, die zu mir passen könnten. Erkläre kurz, warum du diese Werte identifiziert hast.

Praxistipp: 
Speichere die Antworten in einem Dokument. Du wirst diese Erkenntnisse in den nächsten Schritten immer wieder brauchen. Wenn dir eine Antwort der KI zu allgemein vorkommt, frage nach: «Kannst du das konkreter formulieren?» oder «Gib mir ein Beispiel dafür.»

Schritt 2: Zielgruppe definieren – Für wen bist du sichtbar?

Deine persönliche Marke funktioniert nur, wenn sie die richtigen Menschen erreicht. Wer soll dich finden? Potenzielle Arbeitgeber aus einer bestimmten Branche? Kunden für deine Dienstleistung? Gleichgesinnte in deinem Fachgebiet? Ein klares Verständnis der demografischen Merkmale und Interessen deiner Zielgruppe hilft dir dabei, besser einzuschätzen, welche Inhalte wirklich relevant und wirkungsvoll sind.

So gehst du vor:
Nutze dein KI-Tool, um verschiedene Zielgruppen-Szenarien durchzuspielen. Die KI hilft dir dabei, typische Bedürfnisse, Probleme und Erwartungen deiner Wunsch-Zielgruppe zu verstehen.

Musterprompt 1:
Zielgruppe eingrenzen

Ich arbeite als [dein Beruf/deine Spezialisierung]. Welche Zielgruppen könnten an meiner Expertise interessiert sein? Liste mindestens 5 mögliche Zielgruppen auf und beschreibe jeweils, warum sie mich suchen würden.

Musterprompt 2:
Persona entwickeln

Erstelle mir eine detaillierte Persona für meine Hauptzielgruppe. Beschreibe: demografische Merkmale, berufliche Situation, Herausforderungen, Ziele und wie diese Person nach Lösungen sucht (z.B. LinkedIn, Google, Netzwerke).

Musterprompt 3:
Sprache der Zielgruppe verstehen

Wie kommuniziert meine Zielgruppe? Welche Fachbegriffe nutzt sie? Welcher Tonfall passt – formell oder locker? Welche Themen interessieren sie aktuell?

Praxistipp:
Wenn du unsicher bist, welche Zielgruppe die richtige ist, arbeite mit deinem KI-Tool an 2-3 Varianten. Frage die KI: «Welche dieser Zielgruppen bietet mir die grössten Chancen und warum?» Die Antwort hilft dir bei der Entscheidung.

Schritt 3: Konkurrenten analysieren – Was machen andere richtig (oder falsch)?

Du bist nicht die erste Person, die in deinem Bereich sichtbar werden will. Andere haben bereits eine Online-Präsenz aufgebaut – und von ihnen kannst du lernen. Die Grundlage deiner persönlichen Marke ist ein klares Verständnis des Marktes, in dem du tätig bist, und deiner eigenen Position darin. Eine Konkurrenzanalyse zeigt dir, welche Themen funktionieren, welche Lücken du füllen kannst und wie du dich differenzierst. Das Ziel ist nicht, andere zu kopieren, sondern herauszufinden, wo dein einzigartiger Platz ist.

Ein häufiger Fehler ist die chaotische Erstellung von Inhalten ohne klare Strategie. Viele starten mit sozialen Netzwerken, veröffentlichen Videos oder schreiben Artikel, ohne genau zu wissen, welches Ziel sie verfolgen. Dieser Ansatz führt nur selten zu messbaren Ergebnissen – selbst dann nicht, wenn die Inhalte an sich qualitativ hochwertig sind.

So gehst du vor:
Identifiziere 3-5 Personen, die in einem ähnlichen Bereich wie du aktiv sind und bereits eine starke Online-Präsenz haben. Analysiere mit deinem KI-Tool deren Profile, Content und Positionierung – und finde heraus, was du anders machen kannst.

Musterprompt 1:
Konkurrenten identifizieren

Ich arbeite als [dein Beruf/deine Spezialisierung] und möchte auf LinkedIn sichtbar werden. Nenne mir Kriterien, anhand derer ich relevante Konkurrenten finden kann. Welche Profile sollte ich mir ansehen und wonach sollte ich konkret suchen?

Musterprompt 2:
Content-Analyse durchführen

Ich habe mir die Profile von [Name 1], [Name 2] und [Name 3] angesehen. Sie posten über folgende Themen: [hier auflisten]. Analysiere: Welche Themen werden abgedeckt? Welche Lücken erkennst du? Wo könnte ich mit meiner Expertise einen einzigartigen Beitrag leisten?

Musterprompt 3:
Differenzierung entwickeln

Basierend auf meinen Stärken [aus Schritt 1] und der Konkurrenzanalyse: Was kann ich anders oder besser machen als die anderen? Gib mir 5 konkrete Ansätze, wie ich mich von [Namen der Konkurrenten] abhebe, ohne sie zu kopieren.

Praxistipp:
Nutze ChatGPT wie einen Research-Assistenten. Kopiere 2-3 konkrete Post-Beispiele deiner Konkurrenten in den Chat und frage: «Was macht diese Posts erfolgreich? Welche Elemente könnte ich adaptieren (nicht kopieren), um ähnlich zu wirken, aber mit meiner eigenen Stimme?»

Die KI hilft dir, Muster zu erkennen, ohne dass du die Originalität verlierst.

Schritt 4: Kernbotschaft entwickeln – Was ist deine Story?

Menschen merken sich keine Fakten, sie merken sich Geschichten. Deine Kernbotschaft ist der rote Faden, der sich durch alles zieht: dein LinkedIn-Profil, deine Vorstellung im Netzwerk, deine Website. Sie beantwortet drei Fragen: Wer bist du? Was machst du? Und warum ist das relevant für andere?

So gehst du vor:
Entwickle verschiedene Versionen deiner Kernbotschaft – vom kurzen Elevator Pitch bis zur ausführlichen Bio. Die KI testet verschiedene Formulierungen und hilft dir, die überzeugendste zu finden.

Musterprompt 1:
Elevator Pitch erstellen

Basierend auf meinen Stärken [hier einfügen aus Schritt 1] und meiner Zielgruppe [hier einfügen aus Schritt 2]: Erstelle mir einen Elevator Pitch von maximal 3 Sätzen. Er soll professionell klingen, aber nicht übertrieben werberisch.

Musterprompt 2:
Über-mich-Text für LinkedIn

Schreibe mir ein «Über mich» für LinkedIn (ca. 150 Wörter). Er soll meine berufliche Entwicklung kurz skizzieren, meine Expertise zeigen und klar machen, wie ich anderen Menschen helfe oder welchen Mehrwert ich biete.

Musterprompt 3:
Storytelling-Ansatz

Hilf mir, eine persönliche Geschichte zu entwickeln, die erklärt, warum ich mache, was ich mache. Die Geschichte soll authentisch sein und einen Wendepunkt enthalten, der zu meiner heutigen Spezialisierung geführt hat.

Praxistipp:
Teste deine Kernbotschaft im echten Leben. Erzähle sie einer Freundin oder einem Kollegen. Wenn die Person nachfragt «Ach interessant, und wie genau machst du das?», funktioniert sie. Wenn Verwirrung entsteht, überarbeite sie mit deinem KI-Tool.

Schritt 5: Content-Strategie erstellen – Womit wirst du sichtbar?

Jetzt weisst du, wofür du stehst und wen du erreichen willst. Aber wie genau wirst du sichtbar? Eine Content-Strategie legt fest, über welche Themen du sprichst, in welchen Formaten und auf welchen Plattformen. Ohne Plan postest du planlos. Mit Strategie baust du systematisch deine Sichtbarkeit auf.

So gehst du vor:
Dein KI-Tool hilft dir dabei, Themencluster zu entwickeln, Content-Formate auszuwählen und einen realistischen Posting-Rhythmus zu finden.

Musterprompt 1:
Themencluster entwickeln

Ich will auf LinkedIn sichtbar werden. Basierend auf meiner Expertise [hier einfügen] und meiner Zielgruppe [hier einfügen]: Schlage mir 5 Themenbereiche vor, über die ich regelmäßig posten könnte. Jedes Thema sollte 3-5 konkrete Unterthemen enthalten.

Musterprompt 2:
Content-Formate finden

Welche Content-Formate passen zu meiner Zielgruppe und meinem Thema? Bewerte für mich: Textposts, Artikel, Videos, Infografiken, Podcasts. Welche 3 Formate sollte ich priorisieren und warum?

Musterprompt 3:
Redaktionsplan erstellen

Erstelle mir einen 4-Wochen-Redaktionsplan für LinkedIn. Ich kann realistisch 2 Posts pro Woche veröffentlichen. Schlage mir konkrete Post-Ideen vor, die zu meinen Themen passen und verschiedene Formate nutzen.

Praxistipp:
Starte klein. Zwei durchdachte Posts pro Woche sind wertvoller als tägliches Posten ohne Strategie. Nutze deine KI, um aus einem Thema mehrere Posts zu entwickeln: «Nimm dieses Thema und entwickle daraus 5 verschiedene Post-Ideen aus unterschiedlichen Blickwinkeln.»

Schritt 6: Entwickle deinen Corporate- und Kommunikationsstil mithilfe von KI

Der letzte Schritt macht deine Marke wiedererkennbar. Farben, Schriftarten, Bildsprache und Tonalität bilden zusammen deine visuelle und sprachliche Identität. So wirkt dein Content wie ein stimmiges Ganzes und wird auf allen Plattformen als visuelle und sprachliche Erweiterung deiner Persönlichkeit wahrgenommen.

Tools:

Midjourney – Ästhetik, Kunst, Moodboards, Stil, Bilder

DALL-E – Konzepte, Illustrationen, Bilder

Leonardo AI – Branding, Wiederholbarkeit, Stilkontrolle

Canva (mit KI) – Farbpalette, Schriftkombinationen, Formatanpassungen (Posts)

Eine konsistente Bildsprache in Kombination mit einem klar definierten Kommunikationsstil hilft dir dabei, deine Gedanken verständlich und authentisch zu formulieren und in deinem Netzwerk Vertrauen und Sympathie aufzubauen.

So gehst du vor:
Einige KI-Tools wie ChatGPT können zwar keine Designs erstellen, aber sie helfen dir dabei, deinen Stil zu definieren und konsistent anzuwenden. Die KI gibt dir klare Richtlinien, die du dann mit Design-Tools umsetzen kannst.

Musterprompt 1:
Farbpalette definieren

Basierend auf meiner Marke [Zusammenfassung aus Schritt 1-3]: Welche Farben passen zu meiner Persönlichkeit und meiner Zielgruppe? Schlage mir eine Farbpalette mit 3 Hauptfarben vor und erkläre, warum diese Farben meine Marke unterstützen.

Musterprompt 2:
Tonalität festlegen

Beschreibe meinen idealen Kommunikationsstil. Soll ich eher formell oder locker schreiben? Duzen oder siezen? Fachsprache oder einfache Worte? Humor oder ernst? Gib mir konkrete Formulierungsbeispiele für ‚passt zu mir‘ und ‚passt nicht zu mir‘.

Musterprompt 3:
Guidelines erstellen

Erstelle mir ein einseitiges Dokument mit meinen persönlichen Marken-Guidelines. Es soll enthalten: Kernbotschaft, Tonalität, Farbpalette, Don’ts (was ich nicht mache), typische Formulierungen. Formatiere es als Checkliste, die ich vor jedem Post durchgehen kann.

Praxistipp:
Konsistenz schlägt Perfektion. Deine Marke muss nicht von Anfang an makellos sein, aber sie sollte wiedererkennbar sein. Nutze KI als Korrektiv: «Ich habe diesen Post geschrieben. Passt er zu meiner definierten Tonalität? Was würdest du anders formulieren?»

Deine nächsten Schritte

Du hast jetzt einen kompletten Fahrplan für dein Selfbranding mit KI. Die fünf Schritte bauen aufeinander auf. Der Aufbau deiner starken persönlichen Marke ist aber kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Er beginnt mit einem klaren Verständnis deiner Werte und deiner Position im Markt, setzt sich fort über die Analyse deiner Zielgruppe und deiner Wettbewerber und zeigt sich schließlich in einem konsistenten visuellen und kommunikativen Auftritt.

Nimm dir pro Woche einen Schritt vor. Verwende dein KI-Tool als Sparringspartner, der dir Fragen stellt, Ideen spiegelt und Optionen aufzeigt. Künstliche Intelligenz kann dich auf diesem Weg gezielt unterstützen: Sie hilft dir, Klarheit zu gewinnen, fundierte Entscheidungen zu treffen und Inhalte strategisch statt zufällig zu erstellen.

Wenn du Schritt für Schritt vorgehst und die vorgestellten Elemente miteinander verbindest, entsteht eine persönliche Marke, die authentisch wirkt, Vertrauen ausstrahlt und sich langfristig trägt. Wichtig ist nicht, alles sofort perfekt umzusetzen, sondern bewusst zu starten, zu testen und kontinuierlich zu optimieren.

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