Was bedeutet nachhaltige Laufbahnplanung, und welche Aspekte gilt es dabei zu berücksichtigen? Diese Fragen diskutierten die Teilnehmenden des FAU-Programms am Standort Luzern gemeinsam mit den FAU-ALV-Coaches im Rahmen des Themenkaffees.
Text: DAVID WITTWER, CÉCILE LOCHER
Was ist die klassische Vorstellung von Karriere? Dies fragte David Wittwer, Coach ALV, zu Beginn des Themenkaffees die FAU-Teilnehmenden und meint: «Viele gehen davon aus, dass man automatisch die Karriereleiter hinaufsteigt – Weiterbildung als Rolltreppe, Coach oder wohlwollende Vorgesetzte als Bergführer. Doch ist das wirklich so?»
Auch der Abstieg will geplant sein
ALV-Coach Renée Sigrist betonte, dass nicht nur der Aufstieg, sondern auch der Abstieg in der Karriere aktiv gestaltet werden sollte: «Es reicht nicht, nur die Gipfelbesteigung zu planen. Auch mit einem freiwilligen oder unfreiwilligen Abstieg muss gerechnet werden.» David Wittwer ergänzte, dass manche Berufstätige durch eine Reorganisation oder ein Burnout unerwartet «vom Gipfel gestossen» werden. Idealerweise sollte ein solcher Schritt bereits frühzeitig mitgedacht werden – am besten von Beginn an, wie auch Coach Erik Geurts unterstrich.
Vom Aufstieg zur bewussten Neuausrichtung
Was passiert, wenn sich eine Laufbahn zu einer sogenannten Bogenkarriere entwickelt – also nicht geradlinig nach oben verläuft, sondern einen Aufstieg mit einem bewussten Wechsel oder Rückschritt kombiniert? «Das ist stark funktionsabhängig», erklärt Renée Sigrist. «Während ein Wechsel von einer Teamleitungsfunktion zurück in eine Fachrolle denkbar ist, ist der Schritt vom CEO zur Teamleitung meist wenig praktikabel.» In solchen Fällen seien Rollen in der Beratung, im Mentoring, in der Lehre oder in Verwaltungsräten geeignete Alternativen, so Renée Sigrist weiter.
Die Portfoliokarriere: flexibel, aber nicht für alle?
Eine weitere Möglichkeit für einen geplanten Rückzug aus klassischen Karrierestrukturen sieht Erik Geurts in der Patchwork- oder Portfoliokarriere. Sie beschreibt einen vielfältigen beruflichen Werdegang, bei dem mehrere parallele oder aufeinanderfolgende Tätigkeiten ausgeübt werden – oft in unterschiedlichen Bereichen, Rollen und Anstellungsformen.
FAU-Teilnehmer Daniel äussert Bedenken: «Mit dem Aufbau einer Portfoliokarriere sollte man früh beginnen. Für jemanden mit sechzig kann es schwierig sein, beispielsweise eine GmbH zu gründen – das ist mit erheblichem Aufwand verbunden.» Erik Geurts hält dagegen: «Die administrativen Hürden für die Gründung sind oft geringer, als man denkt. Herausfordernder ist es, einen Kundenstamm aufzubauen – das braucht Zeit.»
Karin, ebenfalls FAU-Teilnehmerin am Standort Luzern, berichtet von ihren Erfahrungen: «Die Finanzberatung von FAU hat mir geholfen einzuschätzen, ob ich meine Portfoliokarriere um eine GmbH ergänzen kann. FAU unterstützt auch bei der Prüfung einer Selbständigkeit und erklärt verständlich den Umgang mit Versicherungen. Das habe ich sehr geschätzt.»
«In der heutigen Zeit kann niemand sicher sein, seine Festanstellung zu behalten. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig einen Plan B zu entwickeln. Für mich ist die Portfoliokarriere eine vielversprechende Option.», so ergänzt FAU-Teilnehmer Hans.
Eine nachhaltige Laufbahnplanung denkt also nicht nur an den beruflichen Aufstieg, sondern auch an Aus- und Umstiege. Oder, wie David Wittwer es treffend formuliert: «Das Ziel ist nicht der Gipfel – sondern die sichere Rückkehr ins Tal.»






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