Fast zehn Jahre durfte der Beirat des FAU Studios von der Expertise von Beat Rüdt profitieren. Bevor der Medienprofi nach fast Jahren im Beirat zurücktritt, verrät er uns, was ihm aus dieser Zeit besonders bleiben wird und wieso er auf eine Renaissance des klassischen Journalismus hofft.
Quelle: Caroline Fink
Interview: Olivia Eberhardt
Du warst knapp zehn Jahre im Beirat des FAU Studios. Was war deine Funktion in dieser Rolle?
Meine Aufgabe war es, die Beiträge der Teilnehmenden zu begutachten und Feedback zu geben, sowohl zur Machart als auch zu visuellen Aspekten. Dabei habe ich die Beiträge immer auf die Arbeitsmarkttauglichkeit geprüft. Mein Fokus lag darauf, ob die Inhalte online-tauglich sind und ob multimediale Tools genutzt wurden.
Gibt es einen Beitrag, der dir dabei besonders in Erinnerung geblieben ist?
Es gibt nicht einen spezifischen Beitrag, an den ich mich erinnern kann. Vielmehr ist es die Vielfalt der Beiträge. Die Teilnehmenden hatten die Chance, sich dort zu vertiefen, wo sie Stärken hatten. Sei das mit einer Bildstrecke, einem Porträt oder auch mit starken Infografiken.
Du begleitest die Medienbranche seit über zwei Jahrzehnten in unterschiedlichen Funktionen. Was hat sich in dieser Zeit verändert?
Ich weiss gar nicht, womit ich beginnen soll. Prägend war sicherlich der Shift hin zu Online first und später zu Mobile first. Damit wurden auch die Anforderungen an Medienschaffende grösser. Niemand kann es sich heute leisten, nur noch auf Text zu setzen. Journalistinnen und Journalisten müssen sich heute stets überlegen, wie sie ihre Beiträge multimedial umsetzen können. Zudem müssen sie in der Lage sein, Bilder, Grafiken und Videos selbst zu produzieren. Gleichzeitig werden die Redaktionen stetig kleiner und der Zeitdruck grösser. In anderen Worten: Medienschaffende müssen heute immer mit weniger Zeit und weniger Kolleginnen und Kollegen immer mehr liefern.
Was kann ein Angebot wie das FAU Studio in diesem Kontext leisten?
Zentral ist, dass die Teilnehmenden genau jene Kompetenzen entwickeln, die derzeit im Markt gefragt sind. Dazu gehört auch, die eigene Komfortzone zu verlassen – etwa indem sie lernen, selbst Bilder, Grafiken oder Videos zu produzieren oder sich im Umgang mit KI fit zu machen. Das FAU Studio ist ein extrem wichtiges und nützliches Programm und es hat mir grossen Spass gemacht, Teil davon zu sein.
Wie wird sich das Berufsbild von Medienschaffenden deiner Meinung nach in den kommenden Jahren verändern?
Ich glaube und hoffe, dass die Grundfähigkeiten wieder wichtiger werden. Heute können ganze Newsportale mittels künstlicher Intelligenz automatisiert betrieben werden. Das hat auch zur Folge, dass die Inhalte immer ähnlicher werden. Um sich als Medium zu differenzieren, muss man raus in die Welt gehen, mit Leuten reden, eigene Themen finden und recherchieren. Die guten Geschichten, für die das Publikum auch bereit ist zu zahlen, sind exklusiv und nicht generisch. Meine Hoffnung ist, dass wir vor einer Trendwende stehen, in der das alte Berufsbild des Journalisten zurückkommt.
Du scheidest Ende März aus dem Beirat des FAU Studios aus, Ende Mai endet deine Tätigkeit am MAZ. Wie geht es für dich danach weiter?
Ich habe mein ganzes Berufsleben in einer Medienbranche verbracht, die sich seit meinem ersten Arbeitstag in einer Phase der Krise und des Abbaus befindet. Nun bin ich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung in einer anderen Umgebung. Ich stehe den Fragen, wo und was das sein wird, sehr offen gegenüber. Vor allem aber nehme ich mir genug Zeit, meine nächsten Schritte zu planen.
Über Beat Rüdt
Beat Rüdt arbeitete als Redaktor in verschiedenen Redaktionen und war während über zehn Jahren Studienleiter an der Schweizer Journalistenschule MAZ. Seit 2017 war er Teil des Beirats des FAU Studios.





Foto: zVg
FAU – Fokus Arbeit Umfeld