Was im Rekrutierungsalltag wirklich zählt, erfuhren 12 Programmteilnehmende des FAU – Fokus Arbeit Umfeld bei einem exklusiven Blick hinter die Kulissen der Mobility Genossenschaft und Carsharing Pionierin der Schweiz.

header-fau-impuls-mobility

Text: FABIO SÜESS
Fotos: FABIO SÜESS

«Wir merken das sofort – und es wirkt schlecht.» Mit diesen deutlichen Worten warnt Peter Affentranger, People & Culture bei der Mobility Genossenschaft, vor KI generierten Bewerbungen. Schon beim Empfang wurde klar: Bei der Mobility Genossenschaft wird geduzt von der Praktikantin bis zur Geschäftsleitung. Diese offene Firmenkultur prägte den ganzen Nachmittag. Die Botschaft des Tages: Authentizität schlägt Perfektion. Organisiert wurde dieser «FAU Impuls» von den FAU Coaches Murielle Roschi und Luc auf der Maur.

Der Lebenslauf: In wenigen Minuten zählt jeder Eindruck

Sabina Sager, HR Business Partner mit Schwerpunkt Talent Acquisition und Recruiting, die seit drei Jahren zum Team gehört, und der selbsternannte «Mobility Genossenschaft Dinosaurier» Peter teilten schonungslos offen ihre Erfahrungen. Peter bringt es auf den Punkt: «Wir nutzen keine KI oder ATS (Applicant Tracking Systeme). Jede Bewerbung prüfen wir persönlich in zwei bis fünf Minuten.» Der Lebenslauf wird immer zuerst gelesen. Er ist die Visitenkarte und entscheidet über den ersten Eindruck.

KI Motivationsschreiben? Sofort erkannt, hinterlässt schlechten Eindruck

KI generierte Motivationsschreiben fallen sofort auf und hinterlassen einen schlechten Eindruck, was die Chancen massiv reduziert. «Von 60 Bewerbungsschreiben beginnen 30 mit dem selben Satz», berichtet Peter. Das Problem: Alle klingen gleich, niemand sticht heraus. Stattdessen zählen Authentizität und echte Leidenschaft. Das Motivationsschreiben muss diese Fragen beantworten:

  • Warum passe ich zur Stelle?
  • Warum bin ich die richtige Person für diese Rolle?
  • Welches Problem kann ich lösen?
  • Was ist meine Motivation?

Alter? Irrelevant. Leidenschaft? Unverzichtbar.
Eine Botschaft, die aufhorchen lässt: Bei der Mobility Genossenschaft zählt Diversität, und das Alter spielt keine Rolle. «Entscheidend ist, dass die Leidenschaft spürbar ist und die Person Wirkung zeigen kann», betont Sabina. Diese Haltung öffnet Türen für Bewerbende jeden Alters und zeigt, dass Erfahrung und frische Perspektiven gleichermassen geschätzt werden.

Lücken? Ehrlichkeit schlägt Schönfärberei
Wie geht man mit Lücken im Lebenslauf um? Die klare Botschaft von der Mobility Genossenschaft: Ehrlichkeit und Offenheit sind entscheidend. Wichtig ist, im Lebenslauf eine Bezeichnung für die Lücke zu finden und zu zeigen, was man daraus gelernt hat. «Entscheidend ist, was die Person aus Pausen oder Rückschlägen gelernt hat und wie sie diese für sich nutzen konnte», betont das HR Team. Die rote Linie: Nie über ehemalige Arbeitgebende herziehen.

70 Prozent reichen – Anforderungen sind erfüllbar
Eine ermutigende Botschaft für alle Stellensuchenden: Wer 70 bis 80 Prozent der Anforderungen im Stelleninserat erfüllt, hat gute Chancen bei der Mobility Genossenschaft. Perfekt sein muss niemand. Wichtiger ist, die eigenen Stärken klar zu kommunizieren und zu zeigen, wie man zur Stelle passt.

Die Mobility Genossenschaft ist die Schweizer Carsharing Pionierin und Genossenschaft mit über 280’000 Nutzenden, rund 3’000 Fahrzeugen und 250 Mitarbeitenden. Ein Mobility Fahrzeug ersetzt durchschnittlich 18 Privatwagen. Mit einer Markenbekanntheit von 93 Prozent als «Mobilität der Zukunft» – denn Privatwagen sind keine Fahrzeuge, sondern Stehzeuge.

Der B Stapel ist nicht das Ende
Nach zwei bis drei Wochen ohne Rückmeldung darf man telefonisch nachfragen. Das zeigt Initiative und echtes Interesse an der Stelle. Gleichzeitig kann man in der Regel davon ausgehen, dass man zum B Stapel gehört. Was per se aber nicht heisst, kein Erfolg auf ein Gespräch zu haben, erwähnen die beiden HR Profis.

Networking öffnet Türen – und Herzen
Bereits während der Präsentation und Führung durch die Räumlichkeiten entwickelte sich ein intensiver Dialog. Der Networkingapéro bot schliesslich die Gelegenheit, direkt mit Mitarbeitenden von Mobility in Kontakt zu treten. Besonders wertvoll: Auch Mitglieder der Geschäftsleitung waren dabei und standen für Gespräche zur Verfügung. Das Motto von Mobility «MORK – More than just work» wurde beim entspannten Austausch spürbar. Diese persönlichen Begegnungen sind oft der Türöffner für neue berufliche Chancen, denn viele Bewerbungen entstehen über persönliche Kontakte und Netzwerke.

Die wichtigsten Learnings des Tages:

  • Authentizität schlägt Perfektion
  • Ehrlichkeit zahlt sich aus
  • Networking ist unverzichtbar.

Was die Programmteilnehmenden vom FAU mit nach Hause nehmen: Die Gewissheit, dass nicht die perfekte Bewerbung gewinnt, sondern die ehrliche. Dass nicht das Alter zählt, sondern die Leidenschaft. Und manchmal ist ein persönliches Gespräch beim Apéro mehr wert als hundert verschickte Bewerbungen.

© FAU - Fokus Arbeit Umfeld